Archiv der Kategorie: Über den Tellerrand geschaut

Wasser aus der Wand

Wasser aus dem Hahn hat kein Gesicht. Es hat keinen großen Namen, es flimmert nicht durchs Werbefernsehen und man traut sich kaum, es anspruchsvollen Gästen anzubieten. Während große Teile der Welt unter Wassermangel leiden, ist das ständig verfügbare Trinkwasser aus der Wand für uns eine Selbstverständlichkeit. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass es von vielen zum Händewaschen und Duschen, nicht aber als Trinkwasser genutzt wird. Wasser aus der Wand weiterlesen

Freitags Fisch for Future?

Am Freitag kam im christlichen Abendland ausnahmslos Fisch auf den Tisch. In vielen Haushalten ist das heute noch so. Nach der traditionellen kirchlichen Fastenordnung ist jeder Freitag im Gedenken an den Todestag Jesu ein Fastentag. Fleisch war verboten, Fisch erlaubt. Nach der antiken Klassifizierung war Fisch als Kaltblüter kein Fleisch. Damit konnte der aufrechte Christ das Fastengebot lecker einhalten, ohne darben zu müssen. Heute hat der Fisch-Freitag seinen religiösen Bezug verloren, erfreut sich aber dennoch steigender Beliebtheit. Gesundheitsexperten sind froh darüber. Seefisch ist ein idealer Jod-Lieferant und wenn es nach den Ernährungswissenschaftlern ginge, sollten es mindestens zwei Portionen pro Woche sein. Diese Empfehlungen sind bei den meisten von uns auf fruchtbaren Boden gefallen. 2014 wurden weltweit jährlich 20 Kilogramm Fisch pro Kopf gegessen, fast doppelt so viel wie noch vor fünfzig Jahren. Freitags Fisch for Future? weiterlesen

Muss man unbedingt frühstücken?

Das Frühstück wurde in Fachkreisen gern als wichtigste Tagesmahlzeit ausgelobt. Im wirklichen Leben sind die Meinungen über ein ordentliches Frühstück geteilt. Da gibt es die begeisterten Frühstücker, die morgens auf nichts Kulinarisches verzichten möchten und ohne Frühstück nicht in den Tag starten können. Und da gibt es die anderen, die Morgenmuffel, die morgens keinen Bissen herunter kriegen. Sollen die ernsthaft auch ordentlich frühstücken? Es verbietet sich eigentlich von selbst, Menschen zum Essen zu raten, wenn sie keinen Hunger haben, egal um welche Tageszeit es sich handelt. Muss man unbedingt frühstücken? weiterlesen

Aber sonst gesund?

Auf Radio Okerwelle (104,6) läuft am Dienstag nach Ostern, dem 18.04.2017, kurz nach den 15 Uhr-Nachrichten meine Sendung  über Ernährungsmythen und darüber, was wir so alles tun, um gesund zu bleiben oder lassen, um nicht krank zu werden. Was ist dran an  Detox-Kuren und Superfood? Sind Hanf- und Kokosöl wirklich so gesund, wie uns die Werbung glauben machen will? Und müssen wir unbedingt frühstücken, sogar dann, wenn wir gar keinen Hunger darauf haben? Fragen über Fragen, die in der Sendung einige überraschende Antworten finden.

Zu gesund ist nicht gesund

Frage an Radio Eriwan: „Macht ungesundes Essen krank?“

Antwort: „Im Prinzip nein. Solange Sie es nicht essen“.

Wenn Sie über diese Antwort schmunzeln können, dann leiden Sie nicht an Orthorexie. Aha. Jetzt möchten Sie aber doch wissen, woran Sie nicht leiden? Unter Orthorexie wird die obsessive Sucht nach einer gesunden Ernährung verstanden, die für den Betroffenen zum Lebensmittelpunkt wird. Der Begriff setzt sich aus dem griechischen „orthos“ (richtig, korrekt) und „orexis“ (Appetit, Begierde) zusammen. Gesund essen zu wollen, ist eigentlich ein vernünftiger Vorsatz. Wird dieser Vorsatz jedoch zur fixen Idee, dann ist das nicht gesund. Zu gesund ist nicht gesund weiterlesen

Honig: Süß und klebrig und was noch?

Um den Honig ranken sich unzählige Mythen. Die Götter der Antike verdankten ihm ihre Unsterblichkeit. Die alten Ägypter sahen im Honig die Tränen des Sonnengottes Ra. Allvater Odin bezog Weisheit und Kraft aus dem klebrigen Saft. Im Alten Testament zieht es die Kinder Israels in das Land, in dem Milch und Honig fließen. All dies wird die aufgeklärten Geister unserer Zeit schwerlich von der Besonderheit des Honigs überzeugen können. Vielleicht hilft hier Hippokrates weiter, der um 400 v.Ch. gelebt hat. Ein medizinischer Tausendsassa, dem man heute so ziemlich alles zuschreiben kann, was an Weisheit für Sanitas und Wohlbefinden überliefert worden ist. So wusste er über die fiebersenkende Wirkung des Honigs und verwendete ihn sogar zur Behandlung von offenen Wunden. Honig: Süß und klebrig und was noch? weiterlesen

Chiasamen. Superfood ?

Eigentlich stehe ich bei meinen Kindern und Patienten in dem Ruf, einen sehr langen Geduldsfaden zu haben. Aber es gibt Dinge unter der Sonne, die machen mich böse. Dazu gehört die verzweifelte Suche übersatter Zivilisationen nach neuen Nahrungsquellen. Immer gesünder, immer effektiver und nach Möglichkeit von weit her soll es sein.

Chia ist als Nahrungsmittelzusatzstoff seit etwa zwei Jahren der Hype auf dem Gesundheitsmarkt. Als Heilsamen der Maya angeblich so gesund, dass der bewusste Esser es unbedingt an sein Müsli oder Smoothie löffeln muss. So teuer, dass es sich nur die Reichen und Schönen rund um die Uhr leisten können. Nach dem Einweichen so glibberig, dass man schon sehr von den beworbenen Vorteilen geblendet sein muss, um es mitessen zu wollen. Und so wunderbar exotisch. Das macht doch mehr her als unsere einheimischen Leinsamen. Chiasamen. Superfood ? weiterlesen

Low Carb für den Hund?

Ursula Bien: Low-Carb für den Hund
Systemed-Verlag, Lünen, 1. Auflage 2015

Nanu, fragt sich der erstaunte Leser angesichts des Buchtitels, wieso braucht es ein spezielles Low-Carb-Buch für Hunde, wenn die artgerechte Speisung für Carnivoren von jeher aus überwiegend tierischem Material besteht? Aber es stimmt. Diese unumstößliche Tatsache scheint in den letzten Jahren bei vielen Hundebesitzern in Vergessenheit geraten zu sein. Da wird von manchen allen Ernstes überlegt, den Hund vegan zu füttern, ohne zu erkennen, dass die ethisch-moralischen Bedenken gegen die Qual von Tieren den eigenen Hund ganz offenbar nicht einbeziehen. Einen Fleischfresser vegan ernähren zu wollen, ist zutiefst unmoralisch und erfüllt den Tatbestand der Tierquälerei. Auch ist es nicht zielführend, den dicken Fiffi mit einer Reis-Gemüsediät auf Kohlenhydratmast und damit auf eine (nicht nur für Hunde!) qualvolle Mangeldiät zu setzen. Low Carb für den Hund? weiterlesen