Wasser aus der Wand

Wasser aus dem Hahn hat kein Gesicht. Es hat keinen großen Namen, es flimmert nicht durchs Werbefernsehen und man traut sich kaum, es anspruchsvollen Gästen anzubieten. Während große Teile der Welt unter Wassermangel leiden, ist das ständig verfügbare Trinkwasser aus der Wand für uns eine Selbstverständlichkeit. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass es von vielen zum Händewaschen und Duschen, nicht aber als Trinkwasser genutzt wird.

Bei der Wahl des Trinkwassers wird allzuhäufig das Denkvermögen ausgeschaltet. Die Werbekampagnen der Wasserkonzerne haben ganze Arbeit geleistet. Das Wasser aus der Flasche ist längst zum Lifestyleprodukt avanciert. Dabei gehen die gesundheitlichen Vorteile gegen Null. Mineralwasser hat nicht automatisch mehr Mineralien, nur weil es so heißt. Die Stiftung Warentest hat 2019 in vielen stillen Wässern weniger Mineralstoffe gefunden als in normalem Leitungswasser, was übrigens seit 1980 durch eine EU-Verordnung abgesichert ist. Danach müssen Mineralwässer keine Mindestmenge an Mineralien mehr enthalten. Wie beim Trinkwasser auch ist der Mineralgehalt von der Region abhängig, aus der die Wässer stammen.

Nicht einmal die Hälfte der untersuchten Mineralwässer konnten die Stifung Warentest überzeugen. In jedem zweiten Wasser fanden die Tester erhöhte Gehalte an kritischen Stoffen, Verunreinigungen aus Landwirtschaft und Industrie oder unerwünschte Keime. Erstaunlicherweise dürfen selbst Edel-Wässerchen mehr Schadstoffe enthalten als das Wasser aus der Leitung. Die Mineral- und Tafelwasserverordnung ist bei weitem nicht so streng wie die deutsche Trinkwasserverordnung, die unser Leitungswasser zum wohl best kontrollierten Lebensmittel macht.

Falls noch nicht geschehen, steht einem Umdenken also nichts im Wege. Das Schleppen voller Wasserkisten hin und leerer Pfandflaschen zurück lohnt sich nicht nur nicht, es schadet dem Rücken, dem Geldbeutel und last but not least auch der Umwelt. Etwa 70 % der Pastikflaschen sind Einwegflaschen. Sie werden teilweise im Ausland zu Fleece-Stoffen recycelt und landen zum größten Teil im Müll. Aber gleichgültig, ob aus Plastik oder Glas, die Flaschen müssen über hunderte Kilometer vom Hersteller in unsere Haushalte und zurück zu den Entsorgern transportiert werden und hinterlassen einen massiven CO2-Fußabdruck.

Bequemer und wesentlich günstiger kommt das Wasser aus der Wand.