Freitags Fisch for Future?

Am Freitag kam im christlichen Abendland ausnahmslos Fisch auf den Tisch. In vielen Haushalten ist das heute noch so. Nach der traditionellen kirchlichen Fastenordnung ist jeder Freitag im Gedenken an den Todestag Jesu ein Fastentag. Fleisch war verboten, Fisch erlaubt. Nach der antiken Klassifizierung war Fisch als Kaltblüter kein Fleisch. Damit konnte der aufrechte Christ das Fastengebot lecker einhalten, ohne darben zu müssen. Heute hat der Fisch-Freitag seinen religiösen Bezug verloren, erfreut sich aber dennoch steigender Beliebtheit. Gesundheitsexperten sind froh darüber. Seefisch ist ein idealer Jod-Lieferant und wenn es nach den Ernährungswissenschaftlern ginge, sollten es mindestens zwei Portionen pro Woche sein. Diese Empfehlungen sind bei den meisten von uns auf fruchtbaren Boden gefallen. 2014 wurden weltweit jährlich 20 Kilogramm Fisch pro Kopf gegessen, fast doppelt so viel wie noch vor fünfzig Jahren.

Das wäre eine gute Nachricht, wenn es nicht dazu eine schlechte gäbe. Wenn mehr Fisch gegessen wird, muss mehr gefischt werden. Die Zeiten, in denen Fischfang ein harmloser Eingriff in ein intaktes Ökosystem ist, sind schon lange vorbei. Kaum jemand kann sich noch ohne schlechtes Gewissen wahllos am Fisch-Büffet bedienen. Wir Deutschen lieben vor allem Alaska-Seelachs, Hering, Thunfisch und Lachs. Besonders Lachs und Seelachs konkurrieren mit jeweils einem Marktanteil von etwa 20 % auf unserer Beliebtheitsskala.

Ein blaues Logo mit einem stilisierten Fisch verschafft den Fischessern seit 1997 ein gutes Gewissen. Das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) soll signalisieren, dass der gekaufte Fisch umweltschonend gefangen wurde. Dem umweltbewussten Käufer reicht dieses Siegel allerdings nicht aus. Nicht alle Fische mit MSC-Siegel entsprechen den Empfehlungen der Fischratgeber von Greenpeace und WWF (World Wide Fund For Nature). Blaues Logo hin oder her, wer heute mit gutem Gewissen Lachs essen will, muss sich auf die Suche nach Wildfang aus dem Nordpazifik machen. Auch der Alaska-Seelachs trägt das Umweltschützer-Siegel „Finger weg“. Eigentlich heißt er Pollack und wird vorzugsweise in Fischstäbchen oder Schlemmerfilets verarbeitet. Auf diesen Genuss sollten wir nach den Greenpeace-Empfehlungen momentan verzichten. Dasselbe gelte für Aal, Rotbarsch und Makrele. Momentan seien nur Karpfen, Hering und Wels eine gute Wahl.

Wir werden uns daran gewöhnen müssen, unseren Fischfreitag nicht mehr ausnahmslos mit Fisch zu bestreiten. Das heißt nicht, dass wir gänzlich darauf verzichten müssen. Fischmahlzeiten könnten als Delikatesse weiterhin gelegentlich auf unseren Speiseplan. Um unseren Jodbedarf zu decken, bietet sich die Verwendung von jodiertem Speisesalz an. Auch Milch und Milchprodukte sind relativ jodreich, seitdem das Tierfutter mit Mineralsalzen angereichert wird. Als ultimativer Tipp soll hier jedoch die asiatische Küche erwähnt werden. Algen und Seetang sind extrem jodhaltig. So sehr, dass sie nicht täglich auf den Tisch kommen sollten, um nicht eine Jodvergiftung zu riskieren. Hashimotopatienten und Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion sollten ganz darauf verzichten. Aber für alle anderen wäre eine Portion Sushi ein bis zweimal in der Woche – natürlich ohne Fischinlet – ein guter Ersatz für Fisch. Und wer bemängelt, dass Algen zu sehr nach Fisch schmecken, dem sei versichert, dass es sich umgekehrt verhält: Fisch schmeckt nach Algen.