Die Geburt eines Leckerbissens: Amaretto-Zipfel

Dazu braucht es die Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände. Man komme am späten Abend nach Hause und sinke in den Fernseh-Sessel. Dann fällt einem siedend heiß ein, das man doch am nächsten Tag etwas Kulinarisches zum Buffet einer Weihnachtsfeier beisteuern wollteamarettozipfel. Na dann aber hurtig. Ab in die Küche und einen Teig aus geriebenen Mandeln, Rohrzucker, Butter, einem Ei, einem Teelöffel Backpulver und etwas Vanillezucker angerührt und in eine leicht gefettete Springform gefüllt. Perfekt? Perfekt! Ab in den Backofen und die Temperatur unbedingt zu hoch einstellen.

Noch vor Ende der gewohnten Backzeit wird ein etwas brenzliger Geruch durch die Wohnung ziehen. Jetzt aber hurtig. Ab in die Küche und den Kuchen aus dem Ofen bergen. Oh je. Leicht angebrannt und viel zu trocken. Was nun? Irgendwie retten. Dazu greife man eine Flasche Amaretto und tränke das missratene Teil großzügig. Perfekt? Leider nein. Immer noch zu trocken. Also da capo (das mit dem Amaretto). Jetzt perfekt? Äh…nein. Schmeckt immer noch leicht brenzlig. Was bleibt zu tun? 

Kuchen beherzt in den Mixer geben und in seine atomaren Bestandteile zerlegen. Eine Tafel Schokolade auflösen und zum Kuchenmix geben. Mit den Händen kleine Kugel formen. Perfekt? Hm. Schmeckt gut, aber sieht nicht gerade ansprechend aus. Was tut man, wenn etwas nicht gut aussieht? Man macht es einfach noch schlimmer: Die Kugeln mit drei Fingern zu kleinen Montblancs quetschten und dabei nach oben hin zipflig auslaufen lassen. Jetzt perfekt? Volltreffer! Ein neues Rezept ist geboren. Jetzt braucht es nur noch einen klingenden Namen: Amaretto-Zipfel.

Das mache ich jetzt immer so, die Amaretto-Zipfel schmecken viel besser, als der Mandelkuchen, den ich eigentlich im Sinn hatte.