10 Tipps für Typ 2-Diabetiker und Bauchträger

Zu gut gelebt, zu viel gegessen, zu wenig bewegt? Viele Typ 2-Diabetiker haben ein chronisch schlechtes Gewissen. Das ist nicht gut für den Blutzucker. Die Sorge, etwas falsch gemacht zu haben, treibt den Blutzucker erfahrungsgemäß höher als ein kohlenhydratlastiges Essen. Sie müssen sich nicht von all Ihren Gewohnheiten trennen. Oftmals sind nur kleine Korrekturen bei der Zusammenstellung Ihrer Mahlzeiten nötig. Ein guter Einstieg in Ihr Diabetes-Management ist, sich von einigen gängigen Denkmustern zu lösen:

  1. Der Blutzucker ist nicht Ihr Feind

Die meisten Diabetiker kämpfen gegen ihren Blutzucker mit Medikamenten und Diäten an. Wenn Sie begreifen, dass der Blutzucker ein sinnvolles Instrument des Organismus ist, Stress-Situationen zu überstehen, können Sie diesen sinnlosen Krieg beenden. Betrachten Sie Ihren Blutzucker als guten Freund, der Sie aus Stress-Situationen heraus holen will. Sagen Sie sich lieber, wenn er mal wieder nach einem Ärgernis ungewöhnlich hoch klettert:„ Der denkt, ich bin in Lebensgefahr. Dabei sitze ich doch gerade nur vor meinem Chef / Arzt / Diabetesberaterin / Lebenspartner und nicht vor einem Säbelzahntiger.“

  1. Welcher Appetit-Typ sind Sie?

Läuft Ihnen bei der Erwähnung von Spiegelei mit Speck oder anderen deftigen Genüssen das Wasser im Mund zusammen? In Stress-Situationen haben Sie starken Speichelfluss? Dann sind Sie wahrscheinlich vegetativ auf Fett und Eiweiß geprägt. Ein kohlenhydratlastiges, fettarmes Essen wird Ihre Diabetes verschlimmern. Ein Essen mit wenig blutzuckerwirksamen Kohlenhydraten, dafür aber mehr eiweiß- und fettreichen Lebensmitteln wird Ihnen und damit auch Ihrem Blutzucker gut bekommen.

Sie stehen auf Nudeln, trinken tagsüber viel Kaffee und haben häufig Heißhunger auf Süßes? Dann gehören Sie wahrscheinlich zu den Kohlenhydrat-Essern. Auch Ihnen tut ein Kohlenhydrat-armes Essen gut. Allerdings sollten Sie zu allen Ihren Mahlzeiten kleine Mengen an Brot oder Beilagen essen. Bei Mundtrockenheit helfen sofort ein Bonbon oder eine Tasse Kaffee, notfalls sogar mit ein wenig Zucker.

  1. Sättigungsbeilagen verdienen ihren Namen nicht.

Beilagen wie Kartoffeln und Brot waren in den langen Hungerzeiten nach den Weltkriegen das, was noch auf den Tisch kam, wenn alle Haustiere geschlachtet und verzehrt waren. Wirklich satt machen sie nicht. Satt machen Eiweißlieferanten wie Fleisch, Fisch, Eier und Hülsenfrüchte besonders in Verbindung mit Fett. Beim Verzicht auf diese Beilagen, brauchen Typ 2-Diabetiker in der Regel kein Mahlzeiten-Insulin spritzen. Das müssen sie nur, wenn sie zu einer Mahlzeit, Brot, Kartoffeln, Nudeln oder Reis essen.

  1. Lösen Sie sich von BE/KE-Angaben

Die Angabe von Brot- oder Kohlenhydrat-Einheiten gibt den Kohlenhydratgehalt eines Lebensmittels an. Sie sagt nichts über die Blutzuckerwirkung aus.

So haben ein Brötchen und eine Scheibe Vollkornbrot mit zwei BE den gleichen Kohlenhydratgehalt. Ihre Wirkung auf den Blutzucker ist jedoch sehr unterschiedlich. Diabetiker mit Insulin spritzen bei BE-Angaben, deren Blutzuckerwirkung sie nicht einschätzen können, am besten etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde nach der Mahlzeit. Dann wissen sie in etwa, wieviel BE sie wegspritzen müssen.

  1. Küche und Kühlschrank entrümpeln.

Wer seinen Blutzucker managen und/oder abnehmen will, fängt am besten damit an, die Küche aufzuräumen. Zuckerhaltige Joghurts, Lightfette, Fertigsoßen oder Fertigmahlzeiten passen nicht mehr in Ihr neues Leben. Besonders lohnt sich ein Blick in den Vorratsschrank. Tütensuppen und -soßen? Salatkrönungen, Paniermehl, Brühwürfel, Speisestärke, Puderzucker, Puddingpulver? In der Gefriertruhe Pizza, Fertiggemüsegerichte mit unklaren Soßen, panierte Fisch- und Fleischfilets? Weg damit. Vielleicht können Ihre schlanken Freunde oder die Nachbarn damit etwas anfangen. Nehmen Sie sich lieber nicht vor, erst einmal alles aufzuessen und danach mit Ihrem neuen Essen zu beginnen. Das kann dauern und inzwischen verlieren Sie den ersten Motivationsschwung.

  1. Hände an den Herd

Es führt kein Weg darum herum: Wer gesund und richtig lecker essen will, muss selber kochen. Wer glaubt, dass er das nicht kann, ist vielleicht den vielen TV-Kochsendungen und Hochglanzkochbüchern auf den Leim gegangen. Wenn Chef- und Sterneköche am Werk sind, beschleicht den Laien schnell das Gefühl, dass das, was da so stylisch auf den Tellern liegt, nicht so gelingt, wenn man es in der heimischen Küche nachkocht. Aber darum geht es ja zu Hause auch nicht. Schlichte Hausmannskost besticht durch ihre Einfachheit. Alles, was Sie brauchen, ist ein gewisser Bestand an Grundzutaten, alle Ihre Lieblingsgewürze in greifbarer Nähe, etwas Mut zum eventuellen Scheitern und das Urvertrauen, dass man am gründlichsten aus den eigenen Fehlern lernt.

  1. Schreiben Sie Ihr eigenes Kochbuch

Die vielen Diät-Ratgeber und Kochbücher in Ihrem Bücherregal haben eins gemeinsam: Nur ein Bruchteil der Kochrezepte ist für Sie ansprechend. Wenn Sie diese nachkochen wollen, müssen Sie sich erst einmal durch die gesammelten Werke hindurch wühlen, weil Sie sich nicht erinnern, in welchem der Bücher dieses phänomenale Rezept, auf das Sie gerade Appetit haben, veröffentlicht ist.

Dafür gibt es eine einfache Lösung. Die für Sie interessanten Rezepte werden fotokopiert, in Sichtfolien eingelegt und in einem eigenen Koch-Schatzordner mit Register abgeheftet. Beim Nachkochen können die eigenen Anmerkungen dazu geschrieben werden. Zur Krönung vielleicht ein Foto vom Selbstgekochten?

  1. Ausnahmen bestätigen die Regel

Der Begriff Ess-Sünde gehört in den Bereich des religiösen Fanatismus. Mahlzeiten oder kleine Seelentröster, die für Blutzucker und Figur abträglich sind, sind keine Sünde, sondern Ausnahmen.

So müssen wir uns nach einem Genuss, der neben unserer Linie liegt, nicht als Versager fühlen. Das führt häufig dazu, eine gut funktionierende Diät abzubrechen und auf morgen zu verschieben, denn heute ist ja sowieso alles verloren. Ist es nicht. Nach einer Ausnahme kann es unbeirrt mit dem gesünderen Essen weiter gehen.

  1. Feste feiern wie sie fallen

Viele Diabetiker fürchten Essenseinladungen und Familienfeste wie der Teufel das Weihwasser. Sie machen sich Sorgen, dass sie dabei über Gebühr zunehmen und ihren Blutzucker durcheinander bringen.

Das ist schade. Wer so denkt, fühlt sich krank und ausgeschlossen. Freuen Sie sich auf das Fest. Zu diesem Anlass wird Urlaub von der Diabetes gemacht. Essen Sie mit den anderen mit und genießen Sie es, mit Familie und Freunden zu tafeln. Sie werden feststellen, dass Ihr Blutzucker dabei moderater reagiert, als wenn Sie sich vor dem Festessen fürchten.

  1. Lachen ist die beste Medizin

Diabetes ist keine Krankheit, sondern ein Zustand. Zugegebenermaßen ein sehr autoritärer. Solange ein Diabetiker seine Blutzuckerwerte nur für den nächsten Arztbesuch dokumentiert und nicht versucht, hinter die individuelle Blutzucker-Logik zu kommen, wird der Zucker machen, was er will. Wenn Sie jedoch anhand Ihrer Blutzuckermessungen herausbekommen, was Ihnen bekommt und was nicht, gewinnen Sie wieder Kontrolle über Ihr Leben und fühlen sich nicht mehr hilflos ausgeliefert. Sollte der Blutzucker hin und wieder doch nach oben schießen, wissen Sie, was individuell zu tun ist und können sogar darüber lachen. „Ach schau, da ist er ja wieder“. Lachen ist die beste Möglichkeit, den Zucker zu senken.

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