Haschu Hanf im Napf?

Kennen Sie Detective Chief Inspector Tom Barnaby? Seit 1997 löst er in der englischen Kriminalfilmserie knifflige Fälle. In einer kürzlich wiederholten Folge nimmt er das Angebot eines älteren Ehepaares an und lässt sich dessen frisch gebackene Kekse schmecken. Der Zuschauer, der die Gepflogenheiten und das Gewächshaus des gastgebenden Paares kennt, kann daraufhin vergnüglich beobachten, wie der sonst so souveräne Inspektor den Fall in ausgelassener Heiterkeit aufdeckt.

Nun, es geht wohl den meisten von uns so, dass sie bei der Verwendung von Hanf im Essen als erstes an seine psychotrope Wirkung denken. Die bei Hippies und Kiffern beliebte Droge THC (Tetrahydocannabiol) ist allerdings bei den heute im Handel befindlichen Hanfprodukten nur in Spuren zu finden. Ganz ohne – so wie das in den vollmundigen Lobreden über Hanfsamen, -mehl und besonders Hanföle propagiert wird, sind sie abhängig von Wachstums- und Herstellungsart in vielen Fällen nicht. THC werden in den Drüsenhaaren von Blättern, Blattadern und Blütenständen der Hanfpflanze gebildet und verbinden sich dort zusammen mit anderen Stoffen zu einem Harz. Die höchsten Gehalte haben Blüten und Blätter. Die Samen enthalten – mit Ausnahme ihrer Schale – praktisch kein THC. Allerdings ist nicht auszuschließen, das der Kontakt mit THC-reicheren Pflanzenteilen bei der Gewinnung der Hanfsamen und der daraus gewonnenen Öle Spuren hinterlässt.

Aus ernährungsphysiogischer Sicht sind Hanfprodukte kaum zu übertreffen. Sie sind eiweißreich und enthalten hochungesättigte Fette in einer idealen Zusammensetzung. Mit einem Esslöffel Hanföl am Tag könnte der Bedarf an lebenswichtigen Fettsäuren gedeckt werden. Das wäre natürlich für Menschen, die keinen Fisch essen, ein großer Vorteil. Wäre da nicht dieser Spielverderber THC, den die vielen Hanfbefürworter für kaum existent erklären. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht das ein wenig anders. Es empfiehlt Zurückhaltung beim Verzehr von Hanfprodukten und eine tägliche Aufnahmemenge an THC von 1-2µg/kg Körpergewicht nicht zu überschreiten. Dabei kann allein der Esslöffel Hanföl mit immerhin etwa 75 µg zu Buche schlagen.

Da für die in der EU produzierten Hanfpflanzen ein Höchstgehalt von maximal 0,2% THC gefordert wird, ist es für Hanfverwender recht unwahrscheinlich, zu große Mengen allein mit Hanfprodukten aufzunehmen. Das Problem ist jedoch, dass THC nicht ohne weiteres ausgeschieden wird, sondern sich im Fettgewebe ansammelt und sich von dort aus über die anderen Organe verteilt. Dort hat es dann leider nicht nur stimmungsaufhellende, sondern eine Reihe höchst ungesunder Wirkungen. Hinzu kommt, dass mit Hanf gefütterte Tiere das THC ebenfalls in ihren Fettgeweben einlagern, so dass es über Fleisch, Milch und Eier zusätzlich auf unsere Teller kommt. Deshalb ergibt sich die Frage, wie lange der Krug zum Wasser gehen kann, bevor er bricht. Das kann auch das Bundesinstitut für Risikobewertung aufgrund mangelnder Datenlage noch nicht abschließend beurteilen.

Nun, wie sollen wir denn jetzt damit umgehen? Schwierige Frage! Diejenigen, die bisher Hanf in ihrer Küche nicht genutzt haben, bleiben vielleicht einfach dabei und behelfen sich bei Bedarf mit Leinöl, Sonnenblumenkernen und Leinsamen. Die anderen, die Hanfsamen bereits großzügig ins Müsli streuen und Smoothies mit Hanföl anreichern, könnten darauf achten, grundsätzlich geschälte Hanfsamen zu verwenden und nicht ganz so verschwenderisch mit diesen Zutaten umzugehen. Zumindest so lange, bis die amtlichen Risikobewerter grünes Licht geben.

Veröffentlicht in Umweltzeitung 4/2016                                                                                  http://www.umweltzentrum-braunschweig.de/umweltzeitung.html