Low Carb für den Hund?

Ursula Bien: Low-Carb für den Hund
Systemed-Verlag, Lünen, 1. Auflage 2015

Nanu, fragt sich der erstaunte Leser angesichts des Buchtitels, wieso braucht es ein spezielles Low-Carb-Buch für Hunde, wenn die artgerechte Speisung für Carnivoren von jeher aus überwiegend tierischem Material besteht? Aber es stimmt. Diese unumstößliche Tatsache scheint in den letzten Jahren bei vielen Hundebesitzern in Vergessenheit geraten zu sein. Da wird von manchen allen Ernstes überlegt, den Hund vegan zu füttern, ohne zu erkennen, dass die ethisch-moralischen Bedenken gegen die Qual von Tieren den eigenen Hund ganz offenbar nicht einbeziehen. Einen Fleischfresser vegan ernähren zu wollen, ist zutiefst unmoralisch und erfüllt den Tatbestand der Tierquälerei. Auch ist es nicht zielführend, den dicken Fiffi mit einer Reis-Gemüsediät auf Kohlenhydratmast und damit auf eine (nicht nur für Hunde!) qualvolle Mangeldiät zu setzen.

Mit solchen Vorurteilen räumt das Buch kompetent auf. Sogar gestandene Hundebesitzer erfahren vieles, was sie bisher noch nicht wussten. Auf den ersten knapp vierzig Seiten beschreibt die Autorin alles Wissenswerte, was in den Napf des besten Freundes kommen darf und was auf keinen Fall hineingehört. Zu letzterem gehören übrigens auch die vielen Fertigfutter. In der Regel enthält fertig Gekauftes zu viele Kohlenhydrate, zu wenig Protein und nicht genug Fett. Besonders gefällt, dass die Autorin bei vielen unter Hundehaltern heiß umstrittenen Fragen nicht eindeutig Partei ergreift. Sie zählt konträre Standpunkte auf und beschreibt dazu jeweils ihre Erfahrungen mit dem eigenen Hund.

So interessant der erste Teil des Buches ist, so skurril mutet der anschließende Rezeptteil an. Da wird vermittels professioneller Food-Fotografie und raffinierter Gourmetküche eine Speisekarte vorgestellt, die jeden Sternekoch erblassen lassen dürfte: Thunfisch-Omelett mit gemischtem Gemüse und körnigem Frischkäse, Hundezabaglione, Frischkornbrei. Geht es vielleicht etwas weniger abgehoben? Dem normalen Hundefreund mit dem normalen Hund wird durch Zutaten wie Chiasamen, Hanföl, Kokosmehl und laktosefreie Milch wahrscheinlich der Mut zum Nachkochen sinken. Schade. Denn einige Rezepte sind bei näherem Hinsehen durchaus interessant. Das Thunfischomelett ohne Brimborium wird wohl jedem Hund schmecken, auch wenn es auf wenige Zutaten beschränkt bleibt, die ohnehin in jeder Küche zu finden sind. Das Buch wäre richtig gut, wenn die Rezeptentwicklung in den erprobten Händen einer gestandenen Landfrau gelegen hätte und die kunstvollen Fotografien nicht gar so unappetitlich appetitlich wären. Vergessen wir doch bitte nicht, dass es sich um Hundefutter handelt.