An apple a day keeps the doctor away

Mit dem Volksmund ist das so eine Sache. Oft steckt ein wahrer Kern in der bewährten Aussage. Sie ist jedoch so gut wie nie allgemeingültig. Dass ein Apfel pro Tag zeitlebens den Gang zum Doktor spart, ist natürlich ein ziemlich vollmundiges Versprechen. Und es trifft sicherlich nicht auf jeden zu. Wer also bisher Äpfel aus welchem Grund auch immer gemieden hat, der soll sich beruhigt zurücklehnen. Vielleicht gehört er/sie ja zu jenem Personenkreis, für den Äpfel schlichtweg unbekömmlich sind. Diejenigen, die bisher auf Äpfel geschworen haben, können sich auch beruhigt zurücklehnen. Offenbar sind sie ihnen gut bekommen. Dennoch ist es gut, sich einige Gedanken zu machen.

Wir wollen hier nicht um den unterschiedlichen Vitamingehalt diskutieren, den die verschiedenen Apfelsorten ausweisen. In einem satten Land wie unserem, in dem jederzeit fast alles gegessen werden kann, was das Herz begehrt, ist das wahrhaftig nicht nötig. Wenn wir gesund bleiben oder werden wollen, geht es nicht allein um den ernährungsphysiologischen Wert eines Nahrungsmittels. Vielmehr geht es um die Frage, wie und wo es gewachsen ist, unter welchen sozialen Bedingungen es produziert worden ist und über welche Handelswege es auf unseren Teller gelangt ist. Und wenn so ein Apfel im Lebensmittelhandel ohne Schalenfehler angeboten wird, gleichmäßig in Farbe, Form und Größe, einer so schön wie der andere, fast so als käme er aus dem Klonlabor, dann ist das mit Sicherheit nicht einer von der Sorte, der den Doktor sparen kann. Es ist kaum anzunehmen, dass irgendein Wurm in so einem Apfel leben würde. Wenn ein Apfel als ausgewiesener Bioapfel darüber hinaus von weit herkommt, vielleicht gar aus Übersee, dann stellt sich der aufgeklärte Verbraucher hoffentlich die Frage, wie er denn hier herüber gekarrt worden ist. Mit Sojakerosin?

Wer den apple a day im Sinne der Volksweisheit nutzen möchte, der erntet ihn selbst oder kauft ihn bei einem Direktvermarkter aus dem Umkreis von – sagen wir mal – 50 Kilometern. Und, er isst nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ allzu viel davon. Einen. Oder zwei 😉

Grüße in die Runde, Marianne Reiß